Die Gemeinde Birgitz liegt im westlichen Mittelgebirge zwischen Götzens und Axams. Die erste Nennung stammt von 1286 als „Purgitz“.

Auf der „Hohen Birga“, einem bewaldeten Hügel nördlich des Dorfes, hat man 1938 eine räto-illyrische Siedlung entdeckt und im Laufe einiger Jahre eine Gruppe von vier Bauernhöfen (zwölf Gebäude) aus der Zeit um 100 v. Chr. ausgegraben. Die älteste gepflasterte Straße Österreichs führte zu diesem Weiler hinauf. Man fand Reste einer Stubentäfelung und eines Stubenofens. Einige Gebäude waren zweigeschossig. Aus Knochenresten war festzustellen, dass die Siedler allerhand Getier gehalten haben. Auch sind im Trockentälchen südlich der Birga und des „Hexenbödeles“ ihre Ackerterrassen erhalten geblieben. Man fand eine vollständige Handmühle, eine knieend zu benützende Sense, anderes Werkzeug, Hausgeräte und Schmuck. In der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. muss der Weiler durch Brand zugrunde gegangen sein. Der archäologische Lehrpfad auf die Hohe Birga wurde in den letzten Jahren angelegt und zeigt einige der Ausgrabungsbefunde weitgehend in ihrem Originalzustand, also ohne rekonstruktive Ergänzungen. Zusätzlich erläutern Schautafeln die Kultur und Lebensweise der Raeter. Im Ortszentrum von Birgitz wurde das Raetermuseum eingerichtet, um die archäologischen Funde öffentlich zugänglich zu machen.

Im 17. Jahrhundert wurde Birgitz einige Male von der Pest schwer heimgesucht. Die Axamer erlaubten aus Angst vor der Ansteckung nicht, dass die Birgitzer dort in die Kirche kamen und ihre Toten begruben. So mussten diese einen eigenen Friedhof anlegen, auf dem sie 1634-37 eine kleine Kirche zu Maria Heimsuchung uns St. Kassian bauten. Im Jahre 1727/28 wurde dann vom Inzinger Baumeister Gallus Gratl die jetzige Rokokokirche erbaut. Die Altäre stammen aus der gleichen Zeit. Das eigentliche Hochaltarbild, Maria Verkündigung von Johann Georg Grasmair wird nur in der Adventzeit gezeigt. Im übrigen Jahr hängt hier ein Heimsuchungsbild von Josef Anton Kirchebner (um 1810). Das Bild am linken Seitenaltar ist vom gleichen Maler (1787), das Sebastiansbild am rechten Seitenaltar von seinem Vater Anton Kirchebner (1749). Die Deckengemälde sind auch von Josef Anton Kirchebner (1825). Die Statuen am Hochaltar schuf Nikolaus Moll (1726). 1970 hat man die Kirche restauriert, den Friedhof erweitert und eine Totenkapelle gebaut. Birgitz ist erst seit 1974 eine Pfarre, davor war es eine Expositur von Axams. 1977 wurde zur 250 Jahr-Feier der Kirche die neue, von Johann Pirchner aus Steinach gebaute Orgel geweiht. Im Jahre 2008 wurde die Kirche im Inneren renoviert und erglänzt jetzt wieder in hellen Pastelltönen.

In Birgitz gibt es zwei alte Sonnenuhren, die zu den schönsten in Nordtirol gehören: an Haus Nr. 24 und Haus Nr. 9. Dass dieses Dorf im Gegensatz zu den Nachbarorten keine Fasnacht feiert, geht auf ein Gelöbnis in der Pestzeit zurück, das noch immer gehalten wird.

Schon im 19. Jahrhundert kam man nach Birgitz zur Sommerfrische. Graf Chotek, der damalige Statthalter von Tirol, wohnte mehrmals im „Trolfenhaus“; hier besuchte ihn Maria Luise, die Gatttin Napoleons. Gebürtige Birgitzer waren der Bildhauer Gregor Fritz (1693-1774) und der Maler Anton Kirchebner (1821-1868).

Quelle: Tirol-Lexikon, Gertrud Pfaundler, verlegt bei Rauchdruck, Innsbruck